Augusta und die Deutschen!

Bernhard Langer absolviert Donnerstag sein 31. Masters. Wie immer in all den anderen Jahren wird er vor Beginn der ersten Runde sagen: „Ich bin nicht hier, um den Cut zu schaffen. Ich will gewinnen!“ Dann wird er mit beharrlicher Ruhe über den Platz marschieren und das Manko seiner fehlenden Schlaglänge durch jahrzehntelange Expertise und Systematik ausgleichen.

Im vergangenen Jahr wurde Langer am Ende 25. und äußerte Unzufriedenheit, weil mehr möglich war. Kaymer belegte Platz 35 und war happy, weil er auf den letzten neun Löchern sechs Birdies gespielt hatte, mit 70 Schlägen die beste Runde seiner Masters-Karriere geschafft und irgendwie das Gefühl hatte, dass er sich doch noch anfreunden könne mit diesem Platz.

Wobei es in Augusta um weit mehr gehen wird als den reinen Schwung oder den perfekten Treffpunkt des Balles: „Du kannst das Masters als eine Art Lehrmittel verwenden“, hat der einstige Weltranglistenerste Nick Price einmal gesagt. „Es gibt da einige grundlegende Regeln des Golfplatzmanagements, die für jeden gelten.“

Auch Martin Kaymer hat seine Erfahrungen mit dem Platz gemacht. „Wieder viel gelernt“, ließ er im vorigen Jahr wissen. Tatsächlich sind die hügeligen Bahnen nicht nur physisch sehr ermüdend, sondern vor allem mental sehr anstrengend. Allein die richtige Positionierung des Abschlages ermöglicht den perfekten Angriffswinkel ins Grün, der wiederum deshalb wichtig ist, weil die Puttflächen oftmals extrem in eine Richtung hängen, sehr onduliert und obendrein spiegelglatt sind.

„Es ist zweifellos eine meiner Stärken, einen Golfplatz richtig einschätzen zu können und die passende Strategie zu entwickeln“, fasste Bernhard Langer die Basis seines jahrzehntelangen Erfolges auf dem Platz zusammen. Wenn Kaymer eines von seinem älteren Kollegen lernen könnte, dann wohl die endlose Geduld, mit der sich der 56-Jährige in jedes Detail der Löcher vertieft, rund ums Grün jede Biegung und Brechung vor den kurzen Schlägen analysiert.

Kaymer weiß, dass das kurze Spiel „am Grün“ sein Schwachpunkt ist. Während er seine langen Schläge seit gut einem Jahr wieder im Griff hat, bereiten ihm speziell die Chips aus zehn Metern und weniger Entfernung zum Loch Kopfzerbrechen. Im vergangenen Jahr hat er versucht, sein kurzes Spiel mithilfe des britischen Trainers Pete Cowan auf ein neues Niveau zu bringen. Man hat die Schlagbewegung geändert, Kaymer hat wie immer geduldig und gewissenhaft trainiert – die Erfolge sind ausgeblieben, es folgte die Trennung, Kessler hat auch diesen Part des Trainings wieder übernommen.

Er ist ein Teil des Spiels, der gerade auf den Grüns von Augusta entscheidend ist, der in vielerlei Hinsicht aber im Kopf entschieden wird: Agiert ein Spieler beherzt, selbstbewusst, entschlossen? Oder trifft er den Ball zögerlich, zu vorsichtig, nicht knackig genug – sodass der Ball die entscheidende Welle nicht nimmt, von der Front des Grüns womöglich wieder zurückgerollt kommt? Wirklich wohl hat sich Kaymer hier in den letzten Jahren bei diesen Schlägen nie gefühlt.

Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es für Kaymer trotz seines Formtiefs daher zumindest auf eine persönliche Bestleistung. Sechsmal war er an der legendären Magnolia Lane bislang an den Abschlag gegangen, viermal verpasste er den Cut. Dann veränderte er den Schwung – und belegte 2012 den 44. Rang und im vergangenen Jahr den 35. Platz. Immerhin. „Wieder viel gelernt“, lautete damals das schmallippige Resümee des Deutschen. Ab Donnerstag muss er genau das unter Beweis stellen, dann muss er sich, seinen Fans und seinen immer mehr werdenden Kritikern zeigen, dass er wieder zur alten Form zurückfinden und mit den Granden des Golfsports mithalten kann.

Wer sich den Course in Augusta noch einmal anschauen möchte, der findet hier alle Infos! In gut einer Stunde beginnt der Par 3 Contest. Die History zum Masters, aus der ich auch die Bilder für diesen Beitrag habe, findet ihr hier!

Euer Stephan

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2 Kommentare zu “Augusta und die Deutschen!

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