World Golf Championships-HSBC Champions – Finale

Ich hatte Euch ja schon von der ersten Runde und der zweiten Runde von Shanghai berichtet. Der Ausgang des WGC – HSBC Champions musste im Stechen entschieden werden. Nach 72 Löchern teilten sich zwei Spieler die Führung bei elf unter Par, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Bubba Watson, der mit kuriosen Kurven den Ball weiter haut, als die Meisten rennen können, und Tim Clark, der zu den Kürzesten vom Tee zählt, den Ball dafür wie an der Schnur gezogen über den Platz manövriert. Im Stechen sprach dann vieles für den Amerikaner. Es ging zurück auf den 18. Abschlag, das 492 Meter lange Par 5, das Watson kurz zuvor mit Eagle beendet hatte und nach einem getroffenen Drive nur noch ein mittleres Eisen ins Grün hatte. Ganz anders Tim Clark, der vorlegen musste. Wie an jedem Tag. Es lief aber dennoch auf die Entscheidung mit dem kürzesten Schläger heraus. Watson streute seine lange Annäherung in den Bunker und kam nur knapp aus dem Sand. Aus jeweils gut acht Metern ließ schließlich Clark seinen Putt um Zentimeter zu kurz, während Watsons Ball mit der letzten Umdrehung im Loch verschwandt. „Man weiß nie, was man von ihm erwarten soll“, kommentierte Rickie Fowler den Titelgewinn seines guten Freundes, der sich soeben ein Preisgeld von 1,115 Millionen US-Dollar gesichert hatte.

Auch wenn die Entscheidung um den Titel im Playoff fiel, den Höhepunkt des Spannungsbogens erlebte das WGC – HSBC Champions auf den finalen zwei Löchern. Vom Doppel-Bogey bis zum Eagle erlebten die Hauptakteure im Kampf um den Sieg auf dem Par 3 und dem abschließenden Par 5 alles, was der Golfsport zu bieten hat. Mit der vorletzten Gruppe auf dem18. Abschlag bestand bereits die begründete Vermutung, dass elf unter Par zum Einzug ins Stechen reichen würde. Und von einem Stechen war mit Sicherheit auszugehen. Fünf Spieler innerhalb von einem Schlag machten diese Vermutung zu keiner Aussage mit hohen Wettquoten. Dass es dann aber der Spieler sein würde, der die Marke von elf unter Par im Clubhaus setzte, der sich zuvor als klarer Favorit dargestellt hatte, aber auf den Löchern 16 und 17 zerbrach, war die Überraschung des Sonntags und sorgte für den Schlag des Tages. Watsons Mitspieler, Tim Clark, zog nur wenige Augenblicke später nach. Das Stechen stand fest. Die Frage blieb nun nur noch, wie viele am Ende um den Titel mitspielen würden. Martin Kaymer verabschiedete sich mit seiner Annäherung ins Wasser aus dem Kandidaten-Pool. Und auch Graeme McDowell, der die ganze Woche über das Feld angeführt hatte, schaffte auf dem abschließenden Par 5 nur das Par und wurde zusammen mit Hiroshi Iwata und Rickie Fowler geteilter Dritter bei zehn unter Par.

Martin Kaymer ging in der letzten Gruppe, zusammen mit Hiroshi Iwata einen Schlag vor ihm und Graeme McDowell zwei Schläge voraus, ins Finale und eröffnete direkt mit Birdies auf den Bahnen zwei und vier. Die Lücke war geschlossen und die Möglichkeit war da, der erste Spieler seit Tiger Woods (2001) zu werden, der in einem Jahr die Players Championship, ein Major und ein Event der World-Golf-Championship-Serie zu gewinnen. An der hervorragenden Position auf dem Leaderboard änderte sich auch nichts zur Halbzeit. Dann schlichen sich allerdings Probleme in der Längenkontrolle ein. Die Eisen zu kurz, die Putts zu lang. Und schon wanderten zwei Bogeys auf die Scorekarte des Deutschen. Doch das Birdie auf der 14, dem ersten Par 5 der Back Nine, brachte Kaymer wieder zurück ins Titelrennen, das jäh mit dem Wedge ins Wasser neben dem 18. Grün beendet wurde. Am Ende wurde es nur das Doppel-Bogey für Kaymer un die abschließende 73 (+1) für den geteilten sechsten Rang bei acht unter Par. Aber auch dafür gab es noch einmal gut 300.000 US-Dollar Preisgeld.

Für Marcel Siem endet das WGC – HSBC Champions ohne eine Runde unter Par. Zu oft verlor er den Kampf ums Par. Zu oft wanderten blaue (Bogeys) oder gar schwarze Zahlen (Doppel-Bogeys) auf die digitale Scorekarte. Zwar gelangen ihm an den ersten drei Tagen zehn Birdies im Sheshan International GC, auf der anderen Seite aber eben auch drei Doppel-Bogeys und acht einfache Schlagverluste. Und auch am Sonntag setzte sich dieses Bild der ersten Tage fort. Auf der Zehn gestartet, gelangen ihm zum ersten Mal während des zweiten Stopps der European Tour Final Series zwei Birdies auf den beiden Par-5-Bahnen einer Halbrunde. Auf der anderen Seite kassierte er allerdings auf dem kürzesten Par 4 des Platzes auch das vierte Doppel¬-Bogey der Woche. Die Fahne auf dem gerade einmal 260 Meter langen Loch steckte zum großen Finale aber auch besonders trickreich ganz links im Grün, direkt neben einem tiefen Bunker und einer noch tieferen Senke. Auf seinem Weg zurück ins Clubhaus gelangen Marcel Siem dann drei weitere Birdies, allerdings auch neutralisierende Bogeys im Verlauf der Löcher drei bis sechs. So stand die finale 73 (+1) hinter dem Namen des Deutschen. Ein Gesamtergebnis von +5 kostete ihn am Ende drei Plätze für einen geteilten 48. Rang auf dem abschließenden Leaderboard.

Die Augen weit aufgerissen, die Fans im Hintergrund brüllen den Ball voran. Als dieser dann gegen den Fahnenstock prallt und im Loch verschwindet, bricht es, wie in der Vorwoche bei Marcel Siem, auch aus Bubba Watson heraus. Er reißt die Arme nach oben und schreit den Frust der letzten Minuten heraus. Nach seinem Bogey-Doppel-Bogey-Lauf an den Bahnen 16 und 17 verwandelte der Amerikaner, der bis dahin souverän in Führung lag, aus einer Bergablage aus dem Bunker auf der linken Seite des 18. Grüns zum finalen Eagle und setzte die Duftmarke bei elf unter Par im Clubhaus.

Wer einen Schlüssel für gutes Putten sucht, der kann hier mal nachlesen.

Euer Stephan

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