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Dany als Volunteer beim European Tour Event – Teil 3

Am nächsten Morgen steh ich wieder um 5:30 Uhr auf, gehe mit meinem Hund spazieren und bin um 8 Uhr wieder im Auto unterwegs nach Atzenbrugg. Mein erster Dienst ist wieder um 10 Uhr am Fairway und nachdem ich den Weg zum Loch 8 jetzt schon kenne, hab ich genug Zeit um vorher noch auf die Range zu schauen. Ich habe Glück und ein paar der Spieler schlagen sich gerade ein. Unspektakulär. Range halt. Außer, dass es schöner aussieht, läuft das genauso ab wie bei unsereins. Ein Ball nach dem anderen wird geschlagen, eventuell liegt ein Schläger oder ein alignment stick zur Ausrichtungshilfe am Boden. Ich gehe weiter, diesmal entlang von Loch 10, in Richtung Abschlag von Loch 8, mein Frühstücksweckerl essend, das ich mir im Volunteerszelt geholt hab. Der Abschlag von der 10 geht über gut 150 m Wasser. Ich würde hier keinen einzigen Ball trocken rüber bringen.

Rules im SchattenHeute habe ich meinen Klappsessel mit. Die Position am Fairway ist nicht nur spannend und lehrreich, es gibt dort auch genug Schatten. Es ist heute noch heißer als gestern. Am Fairway tut sich nicht viel anderes als am Vortag und nach einer Stunde hab ich auch schon wieder Pause bis 13 Uhr. Heute gibt es unter anderem Schweinsbraten mit Sauerkraut. Bei dieser Hitze das ideale Essen ;)

Am Weg zurück zu meinem Dienst bleibe ich beim BMW-Stand stehen und melde mich fürs Gewinnspiel an. Man darf hier auf einer Matte ca. 8m putten mit 3 Bällen und wenn man einlocht, gibt’s einen Sofortgewinn, wie z.B. ein Handtuch. Die Matte ist schneller als ich gedacht hab und mein Putt geht viel zu weit. Außerdem hat die Matte ein bisschen ein Break und ziemliche Querfalten, über die der Ball hoppelt. Die nächsten 2 Putts gehen beide nur 1-2 cm am Loch vorbei. Schade. Kein Handtuch, aber ich bekomme trotzdem Applaus von den umstehenden Mitstreitern.

Ich bleibe nochmal beim Segway stehen und versuche wieder mein Glück. Diesmal hab ich ein Hütchen umgefahren, wofür ich Strafsekunden bekomme und obendrein schaffe ich es nur 1 Ball einzuchippen und komm wieder nicht auf die Bestenliste. Egal, es macht einfach irre Spaß. Schade, dass der Stand nur mehr heute da ist und Samstag und Sonntag nicht.

Von 13 bis 15 Uhr hab ich Dienst am Crossing. Das ist unmittelbar nach dem Abschlag, wo der Cartweg eine Kurve macht und relativ nahe an die Flugbahn der Abschläge kommt. Daher dürfen die Zuschauer da nicht weitergehen, wenn gerade ein Spieler abschlägt. Da Bernd Wiesberger am Donnerstag auf einem der letzten Plätze gelandet ist und höchstwahrscheinlich den Cut nicht schaffen wird, sind heute noch weniger Zuschauer da als gestern. Mit ihm gehen aber immerhin noch so viele Leute mit, dass wir das Crossing sperren müssen, solange der Flight noch am Abschlag ist. Erst wenn die Spieler schon Richtung Fairway unterwegs sind, dürfen wir die Zuschauer wieder durchlassen. Von meiner Position am Crossing kann ich auch den Abschlag mitverfolgen, die Bälle zischen über meinen Kopf hinweg. Wahnsinn, diese Ballgeschwindigkeit. Ob meine Bälle auch irgendwann mal so pfeifen in der Luft?

Der letzte Flight, der in meinem Dienst am Crossing abschlägt, ist Woltman/Coupland/Levet. Mein Ex-Pro, der bei Levet Caddie ist, erkennt mich und nickt mir zu. Nachdem die drei abgeschlagen haben, gehe ich gleich mit ihnen mit. Levet’s Abschlag ist weit links abgedriftet, sogar noch weiter links als das Wasser, aufs Fairway von Loch 3. Ich kann nicht verstehen, was sie reden, aber es sieht von weitem so aus, als würde sein Caddie, mein Ex-Pro, ihm eine ad-hoc Prostunde geben. Als der Flight von Tee 9 abschlägt, geht Daniel Woltman’s Ball weit nach rechts ins Gebüsch. Unglaublich, aber er findet dort seinen Ball (der Herr Rules ging mit ihm mit), kann aber nicht mehr tun, als ihn mit viel Glück Richtung Fairway rauszuchippen. Der Ball landet im Fairwaybunker. Sein dritter Schlag geht nicht ganz bis aufs Grün, bleibt im Rough links davor liegen. Neben mir höre ich einen der Zuschauer sagen, dass es bei Woltman um den Cut geht. Mehr als ein Bogey und er ist draußen. Am letzten Loch noch die Entscheidung Cut ja oder nein. Spannend. Ich drücke die Daumen, obwohl ich den Spieler nicht kenne. Ich weiß zu diesem Zeitpunkt nicht mal aus welchem Land er kommt. Er chippt mit dem vierten Schlag aufs Grün, ca. 2m hinter die Fahne. Der Bogeyputt fällt. Erleichterung. Bei Woltman, bei den Zuschauern, ja sogar bei Herrn Rules, der ihm ein „see you tomorrow, Daniel“ zuruft. Als ich am Abend heimfahre, hat es um 20:30 Uhr immer noch 32°C Außentemperatur. Meine lange weiße Hose ist durchgeschwitzt.

Danke Dany für den 3. Teil – Dany als Volunteer beim European Tour Event (hier geht es zum Teil 1, Teil 2, Teil 4 und Teil 5). Es geht schon bald weiter ….

Euer Stephan

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BMW International Open – Videos

BMW International Open 2015 Wallgang Banner2Bevor es morgen bei den BMW International Open ernst wird gibt es hier noch ein paar Videos zum Turnier und dem “Drum Herum” aus den letzten Jahren.

Lassen wir uns einfach überraschen, wie die Jungs sich schlagen werden und als erster Deutscher geht Bernd Ritthammer um 7:30 Uhr an den Start.

Euer Stephan

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BMW International Open – Vorfreude

BMW International Open 2015 Wallgang Banner2Ab Donnerstag heißt es wieder Daumen drücken bei den BMW International Open im Golfclub München Eichenried.  Und wie BMW International Open 2015 deutsche Startergewohnt sind viele deutsche Golfer am Start. Wer genau wissen möchte, welcher seiner Lieblinge wann startet, kann das auf der nachfolgenden Grafik sehen. Was mich aber persönlich verwundert ist das geringe Starterfeld aus Österreich, denn nur Bernd Wiesberger vertritt die Alpenregion. Aber immerhin sind 16 Golfer aus den Top 100 der Welt in München am Start. Der Weltranglisten 7. Henrik Stenson führt das Feld an.

Was schreiben denn so die Jungs vor dem Start?

Marcel Siem:

Er wartet auf eine Wende in diesem Jahr. Auf den entscheidenden Schub Selbstvertrauen, einen “Klick” im Spiel auf den Grüns und darauf, “eben nicht mehr in den entscheidenden Momenten die Bogeys zu machen”. Wie so oft in dieser Saison.

Bei der BMW International Open soll der Anfang gemacht werden. “Ich bin hier Clubmeister geworden, wieso sollte ich dann nicht auch das Turnier gewinnen”, sagt Siem ironisch. “Im Ernst, natürlich will ich gewinnen, aber nach den vergangenen Wochen muss ich ein wenig die Kirche im Dorf lassen. Ziel ist es, den Cut zu schaffen, und ein schönes Wochenende zu haben.”

Die Vorfreude auf das Turnier in der Heimat ist da. “Der Platz sieht sensationell aus, so habe ich ihn noch nie gesehen. Vor allem die Grüns.” Vor allem das satte Grün überall auf der Anlage bereitet dem Deutschen Freude. Vor allem nach der Woche auf dem ausgetrockneten Platz im Pazifischen Nordwesten.

“Im Golf kann sich die Welt in einer Woche verändern”, erklärte in der vergangenen Woche Siems Kollege Martin Kaymer. Auch er wird in dieser Woche bei der BMW International Open dabei sein, auch er scheiterte um einen Schlag am Cut der US Open. Und auch er ist bis dato mit seiner Leistung in 2015 eher weniger zufrieden. Was gäbe es schöneres, als dieseWende beim Turnier in der Heimat einzuleiten.

Martin Kaymer:

Nachdem seine Ergebnisse in letzter Zeit nicht überzeugt haben und Martin Kaymer in der letzten Woche den Cut bei der US Open verpasste, hofft der deutsche Profi in seiner Heimat neue Kraft zu schöpfen. “Die Saison ging gut los, jetzt waren die Platzierungen zuletzt ausbaufähig, aber es stehen noch ein paar Highlights an, auf die ich mich freue“, sagte Martin Kaymer nach seinem Ausscheiden in Chambers Bay. “Im Golf kann sich jede Woche alles komplett ändern.”

Stephan Jäger: (Quelle Golf.de)

Hinter Stephan Jäger liegt die wohl aufregendste Golfwoche seiner bisherigen Karriere. Jäger qualifizierte sich für die US Open und feierte in Chambers Bay seine Major-Premiere. Zwar schaffte es der 26-Jährige nicht ins Wochenende, war dabei aber in prominenter Gesellschaft. Im Interview spricht Jäger, der nur einen Steinwurf vom GC München Eichenried groß geworden ist, über die US Open, sein Heimturnier und die Unterschiede zwischen den USA und Deutschland.

Stephan, Sie sind direkt von der US Open nach München gereist. Wie war das Erlebnis, zum ersten Mal ein Major-Turnier zu spielen?

Stephan Jäger: “Es war super – und gerade am Anfang natürlich schon ein bisschen aufregend. Ich habe zum Beispiel mit Henrik Stenson ein paar Proberunden gespielt. Schon 2011 war ich hier als Amateur mit dabei. Damals war ich ehrlich gesagt noch nervöser als bei der US Open.”

Sie sind hier aufgewachsen. Wie weit ist Ihr Zuhause vom Kurs entfernt?

Jäger: “So in etwa 800 Meter, ungefähr die Distanz von einem Par 5 und einem Par 3. Es ist nicht weit. Vielleicht fahre ich mit meinem Roller an den nächsten Tagen, den habe ich schon zehn Jahre. Es ist immer wieder gut, nach Hause zu kommen. Ich komme ja normalerweise nur Weihnachten hierher.”

Sie nehmen jetzt hier in München als Profi teil. Was haben Sie sich vorgenommen?

Jäger: “Die Vorfreude ist groß, man sieht hier Freunde, Familie und Club-Mitglieder. Das hat man nicht so oft. Und dies ist mein Heimatplatz. Es gibt nichts Besseres. Seit ich denken kann spiele ich hier Golf. Jetzt das erste Mal hier als Profi dabei zu sein, ist schon super.”

Ist es für Sie als Lokalmatador ein Traum, die US Open zu spielen und jetzt hier dabei zu sein?

Jäger: “Ich habe mich ja in der Woche vor der US Open dafür qualifiziert und in dieser Zeit in Cleveland gespielt. Ich hatte die gesamte Woche mit organisatorischen Details zu tun, so dass das Spiel etwas gelitten hat, wobei ich den Cut nur um einen Schlag verpasst habe. So schlimm kann es nicht gewesen sein. Das war totale Vorfreude auf die Open. Und diese Woche hier zu Hause, vor Mitgliedern, Freunden und Familie zu spielen, das ist das i-Tüpfelchen.”

Lassen wir uns einfach überraschen, wie die Jungs sich schlagen werden und als erster Deutscher geht Bernd Ritthammer um 7:30 Uhr an den Start.

Euer Stephan

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Dany als Volunteer beim European Tour Event – Teil 2

11. Juni. Endlich ist der Tag gekommen! Mein erster Dienst beginnt um 10 Uhr. Ich fahre um 8 Uhr von Wien weg, das Navi sagt, dass ich in 54 Minuten dort bin. Bin ich auch. Nur, der Parkplatz ist 1 km vom Eingang entfernt, der Shuttlebus vom Parkplatz zum Eingang fährt etwa alle 10 Minuten. Der Parkplatz ist eine riesengroße Wiese, ich parke ganz hinten, ziehe meine Golfschuhe an (wurde so gewünscht von der Organisation) und latsche zum Bus. Am Eingang such ich erst mal das Volunteerszelt, denn dort gibt’s bis 9:30 Uhr Frühstück, welches ich um 9:25 Uhr schnell runterschlinge. Vor dem Zelt stehen riesige LKWs mit dem Logo der European Tour und einem ziemlich hohen hydraulischen kranähnlichen Ding, auf dem ganz oben eine Plattform mit Antennen angebracht ist. Davor eine riesige Sat-Schüssel. Ich bin beeindruckt von der Maschinerie, die bei diesem Event so dranhängt und von der man im Fernsehen nichts mitbekommt. Seitlich hinter dem Eingang befindet sich auch die Player’s Lounge, wo die Spieler ihre Mahlzeiten einnehmen, gleich nebenan stehen zwei große Schiffscontainer, in denen sich einige Tourbags befinden. Gegenüber stehen gut 20 schnittige BMW Limousinen mit dem Aufdruck „BMW Players‘ Shuttle Lyoness Open 2015“. Wow! Unglaublich, was da hinter den Kulissen so abgeht! Ich bin überwältigt.Autos

Nach meinem „Blitzfrühstück“ mache ich mich auf die Suche nach „meinem“ Loch 8. Gar nicht so leicht zu finden, wenn man den Platz nicht kennt. Ich frage mich durch. Endlich finde ich das Grün der Bahn 8, gehe den Weg daneben entlang. Kurz vorm Abschlag versperrt mir der diensthabende Volunteer beim Crossing den Weg. Ich muss warten, bis die Spieler abgeschlagen haben. Endlich erreiche ich 5 Minuten vor meinem Dienstbeginn den Abschlag. Ich lasse mich kurz von meinem Vorgänger einschulen und übernehme stolz die Schilder. Bei den ersten Malen komm ich mir etwas komisch vor, die „quiet please“ und „no cameras“ Schilder hochzuhalten, obwohl gar keine Zuschauer da sind, aber ich erinnere mich daran, dass man auch von weitem schon gut vorgewarnt ist, besser stehen zu bleiben, wenn man die hochgehaltenen Schilder sieht und außerdem muss ich dem Ballspotter anzeigen, in welche Richtung der Abschlag ging, indem ich die Schilder nach links oder rechts schwenke, falls er den Ball nicht gesehen hat. Meist deuten aber eh schon die Spieler selbst oder ihre Caddies.

Dany in AktionVon meinem Platz am Abschlag auf Bahn 8 habe ich einen guten Rundblick auf den großen See in der Mitte und die angrenzenden Grüns und Fairways/Abschläge mehrerer anderer Bahnen. Die Sonne brennt runter und ich bin so richtig zufrieden und glücklich, hier diese Schilder hochhalten zu dürfen anstatt im Büro meine doofen Gutachten zu schreiben.

Mein erster Dienst dauert 1 Stunde, dann werde ich abgelöst und habe 1 weitere Stunde Pause. In dieser Zeit wollte ich ein bisschen herumgehen zu den anderen Grüns, aber weiter als bis zum Grün von Loch 7 komme ich nicht. Am Weg dorthin kommt mir plötzlich ein ehemaliger Pro von meinem Heimatclub entgegen, der für Thomas Levet den Caddie macht. Wie cool ist das denn?! Gegen 12:15 Uhr kommt dann der publikumsstarke Flight mit Bernd Wiesberger bei „meinem“ Abschlag an. Jetzt macht das Schilder hochhalten auch richtig Sinn. Mit Wiesberger ist auch Gary Stal im Flight, der ja einen sehr rückenunfreundlichen Schwung hat. Auf den war ich schon gespannt, diesen Schwung mal aus der Nähe zu sehen. Aber entweder ging mir das zu schnell, oder er hat seinen Schwung umgestellt. Ich bin fast enttäuscht, keine derartige Attraktion geboten zu bekommen ;)ZuschauerNach meiner 2. Stunde am Abschlag habe ich 2 Stunden Pause. Ich mache mich auf zum Volunteerszelt vorm Eingang, wo ein reichhaltiges Mittagessen auf mich wartet. Es gibt Fleisch in Sauce, Kartoffelknödel und Rotkraut, etwas das nach Lasagne schmeckt, Suppe, die ich bei der Hitze aber verweigere, und Salatbar. Ich stopfe mich schnell voll, denn ich will meine Pause nützen und auf der Driving Range vorbei schauen. Leider ist keiner der Profis dort zu sehen, aber am Chipping Grün kann ich ein paar von ihnen beobachten. So ein Blick „hinter die Kulissen“ hat schon was.

Am Weg zurück zum Loch treffe ich einen Kollegen und wir probieren bei einem der vielen Aussteller am Gelände Segway fahren aus, wo es eine Art Wettbewerb gibt. Man muss auf Zeit Schlangenlinien zwischen Markierungshütchen fahren, am anderen Ende sind 5 Bälle bereit und ein Wedge, mit dem man die Bälle in Taschen, die an einer aufblasbaren Wand hängen, einchippen muss, und dann wieder die Schlangenlinien mit dem Segway zurück. Das macht Spaß! Ich chippe 2 Bälle ein, komme aber damit nicht auf die Bestenliste.

Nach meiner Pause habe ich erstmals Dienst am Fairway. Hier bin ich sozusagen der zweite Ballspotter. Der Ballspotter steht auf der vom Abschlag aus gesehenen rechten Seite des Fairways ca. 300m vom Abschlag entfernt (unser Loch ist ein Par 4 mit 428 m, das zwischen Abschlag und Fairway eine kleine S-Kurve macht) und sieht direkt zu den Spielern am Abschlag hin. Ich stehe an der linken Seite des Fairways und hab einen Hügel im Blickfeld, sehe also die Abschläge nicht. Der Spotter zeigt an, ob der Ball nach links, rechts oder Mitte Fairway geht. Wenn er zu mir rüber zeigt, muss ich das Gebiet rund um den Hügel mit Adleraugen absuchen, um zu sehen, wo der Ball landet, denn die Spieler sehen das auch nicht. Wenn der Ball viel zu weit links geht, landet er möglicherweise im seitlichen Wasser. Dann muss ich genau schauen, wo er die Wasserhindernisgrenze überwunden hat und es dem Spieler sagen, damit er korrekt droppen kann. Das Rough ist zwar nicht besonders hoch, aber sehr dicht und die Spieler sehen den Ball, wenn er im Rough zu liegen kommt, nicht, wenn sie vom Abschlag kommen. Ich muss mir also die Position von drei Bällen – im Falle, dass alle drei auf meiner Seite landen – genau merken und den Spielern die Lage des Balls zeigen. Diese Position gefällt mir fast noch besser als der Abschlag. Man sieht zwar nicht alle Spieler hautnah (nur wenn der Ball links landet), aber es ist abwechslungsreich und einige Male landet auch ein Ball im Wasser. Da sich zwischen Wasser (das eigentlich zur angrenzenden Bahn gehört) und meiner Seite des Fairways ein Cartweg befindet, muss auch ab und zu der Referee in seinem Cart, auf dem groß „Rules“ steht, zu uns düsen, weil sich die Spieler oft nicht sicher sind, ob sie zusätzlich zum droppen innerhalb zweier Schlägerlängen auch noch Erleichterung in Anspruch nehmen dürfen, wenn der Ball auf dem Cartweg gedroppt wird. Als der Engländer Richard Finch seinen Abschlag ins Rough knapp neben den Cartweg setzt, nimmt er seinen Stand ein und ruft seinen Flightpartnern zu: „My heal’s gonna be on the path, I take a free drop!“ und tut wie angekündigt. Ganz ohne den Herrn „Rules“.

Viele der Spieler bedanken sich sehr freundlich, wenn ich ihnen ihren Ball im Rough zeige, der Spanier Pedro Oriol sagt sogar auf Deutsch deutlich „Danke“ und grinst. Ein Spieler, dessen Namen ich in der Aufregung vergessen habe, witzelt, als ich ihm seinen Ball im Rough zeige „oh, you took it out oft the water? Thank you!“ und lacht, weil er schon befürchtet hatte, sein Ball war zu weit links und im Wasserhindernis. Aber er hatte Glück, am Weg Richtung Wasser hatte der Ball sich zu seinen Gunsten versprungen. Er ruft auch seinem Caddie zu „We were lucky, this nice young Lady took it out of the water“. Ich muss innerlich grinsen – young Lady… ich bin vermutlich älter als er.

Beim Schweden Kristoffer Broberg erlebe ich zum ersten Mal, wie penibelst die Regeln angewendet werden. Sein Ball landet im seitlichen Wasserhindernis. Er misst mit dem Driver erst eine Schlägerlänge, markiert das Ende mit einem Tee, dann die zweite Schlägerlänge und markiert wieder das Ende. Dann lässt er den Ball korrekt fallen, welcher am Cartweg landet. Und zwar näher zur Fahne. Er droppt nochmal, der Ball hüpft wieder auf dem Cartweg näher zur Fahne, woraufhin er den Ball jetzt dort hinlegt, wo er beim zweiten Drop zum ersten Mal den Boden berührte. Von dort darf er Erleichterung in Anspruch nehmen, nimmt seinen Stand an der Stelle neben dem Cartweg ein, wo er nicht mehr behindert wird, steckt ein Tee ins Gras, wo der Schlägerkopf aufliegt, misst von dort wieder eine Schlägerlänge (diesmal natürlich mit dem Wedge, mit dem er den nächsten Schlag macht) und droppt den Ball. In einer Privatrunde, möglicherweise auch im Amateurturnier, hätten wohl die meisten den Drop aufgrund der Wasserregel ausgelassen und gleich neben dem Weg gedroppt. Ich bin erstaunt und beeindruckt, wie korrekt das hier abläuft. Diese Prozedur darf ich im Verlauf der vier Tage noch öfter beobachten.

Jürgen Maurer, einer der österreichischen Profis neben Bernd Wiesberger, dessen Heimatplatz der Diamond Country Club ist, auf dem die Lyoness Open ausgetragen werden, erhofft sich ebenfalls einen free-drop, als sein Ball im Rough liegt und er bei der Einnahme seines Standes auf der kleinen Böschung stehen muss, die vom Cartweg abfällt. Er fragt den Referee, ob die Böschung zum Cartweg gehört, aber der Referee meint „no free drop, the slope was not built for the path“. Wäre die Böschung Bestandteil des Cartweges gewesen, hätte er straflos Erleichterung von diesem Stand nehmen dürfen.

An diesem Tag hab ich nach 2 Stunden Dienst am Fairway eigentlich Feierabend, aber 2 Leute aus unserem Team sind ausgefallen, also kommt keine Ablöse für mich. Der Ballspotter meint zwar, ich könne trotzdem gehen, aber ich bleibe, denn erstens ist es interessant hier und zweitens habe ich die Befürchtung, dass er von der anderen Seite des Fairways die an diesem Tag doch vielen nach links gehenden Bälle nicht sehen würde. Die letzten Flights haben etwas Verzögerung, darum dehnt sich mein Dienst am Fairway auf insgesamt 4 Stunden aus. Meine Füße sind langsam platt und ich freue mich dann doch, als der letzte Flight bei unserem Loch durch ist.

Müde von der Hitze, dem langen Stehen und den vielen Eindrücken begebe ich mich zu meinem Auto und bin nach einer guten Autostunde endlich zu Hause in Wien. Dusche und Bett, Füße hochlagern, hab ich mir redlich verdient.

Danke Dany für den 2. Teil – Dany als Volunteer beim European Tour Event (hier geht es zum Teil 1, Teil 3, Teil 4 und Teil 5). Es geht schon bald weiter ….

Euer Stephan

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Dany als Volunteer beim European Tour Event – Teil 1

Jeder Golfer träumt davon irgendwann mal bei einem Profi Golfturnier dabei zu sein. Dany, eine “Freundin aus Österreich hatte es geschafft und war in diesem Jahr bei den Lyoness Open live und in Farbe dabei. Aber wie hat Sie es geschafft? Ab jetzt lasse ich Dany schreiben und “halte die Finger still!

Einmal bei einem „großen“ Turnier dabei sein… Papa war vor ein paar Jahren „Scorer“ bei den Lyoness Open in Atzenbrugg, fiel mir ein. Aber wie man dazu kommt, hat er mir nicht erzählt, oder ich hab‘s wieder vergessen, war ja schon vor meiner Golflaufbahn. Fragen kann ich ihn nicht mehr. Ich wähle die Homepage der Lyoness Open an und suche nach Infos über Volunteers, finde aber nichts. Gibt’s die nicht jedes Jahr? Suchen sie heuer niemanden mehr? Ist es einfach nur noch nicht ausgeschrieben? Keine Ahnung. Also google ich „Volunteer“ und „Lyoness Open“ und finde einen Link aus 2012, bei dem eine Emailadresse angegeben ist, wo man sich als Volunteer bewerben kann. Hm, ob es diese Adresse noch gibt? Ich probiere es aus und schreibe ca. Mitte Februar eine E-Mail an diese recht allgemein klingende Adresse. Ein paar Tage später kommt doch tatsächlich eine Antwort, sie freuen sich, dass ich mithelfen will und teilen mich gleich einem Lochverantwortlichen zu, dem ich bitte meine Daten, Konfektionsgröße etc. mitteilen soll. ;-)

Ich schreibe also gewünschte Infos an diesen Herrn und erhalte wieder eine Antwortmail, in der er mir mitteilt, dass er mir in den nächsten Tagen Infos über unsere Aufgaben schicken wird.

2. März: die lange Antwortmail mit genauen Infos über die verschiedenen Marshall-Positionen, den Ablauf, die Aufwandsentschädigung (2 Polos, 1 Kapperl, 1 Windbreaker und 1 Greenfeegutschein für den Diamond Country Club in Atzenbrugg) ist da. Ich kanns kaum erwarten. Lange Zeit kommt nix, und an meinem Geburtstag Anfang Mai wieder eine Mail, dass der Dienstplan Ende Mai kommt. Ein paar Tage später noch ein Mail mit Bildern, wie unsere „Uniform“ aussehen wird und dass die Übergabe der Ausrüstung an diesem und jenem Tag am Golfplatz sein wird. Wer zu weit weg wohnt, bekommt einen individuellen Termin.

Ende Mai kommt nix. Haben sie mich vergessen? Panik! Ich will doch so gern dabei sein! Soll ich nachfragen? Ich will ja nicht drängen und lästig sein. Also doch noch warten.

Dann am 7. Juni endlich wieder eine Mail, dass die Ausrüstung übergeben werden kann. Ich mache mir mit dem Lochverantwortlichen einen Termin in Wien aus und rase am Montag, drei Tage vor dem Turnier, in meiner Mittagspause vom Büro mit Öffis und Miniscooter dort hin, übernehme das Sackerl mit der Ausrüstung und düse wieder ins Büro. Am Sackerl steht „1 schwarzer Windbreaker, 1 weißes Kapperl, 2 blaue Polos“. Ich öffne das Sackerl, in dem sich 2 blaue Polos (Herrenschnitt, Zelt in Größe M), 1 blaues Kapperl und 1 blauer Windbreaker befinden, die Zutrittskarte samt Lanyard, die Parkgenehmigung und Essensbons für den ersten Tag. Kurz überlege ich, ob ich anrufen soll aufgrund meiner Sorge, ob ich wohl die einzige mit einem blauen statt weißen Kapperl sein werde, lass es aber doch bleiben. Wird schon in Ordnung sein.

Es folgen in den nächsten 2 Tagen noch ein paar Mails mit Infos, wie Dienstplan und Starterliste der ersten beiden Tage. Dienstplan – Hach, wie aufregend! Ich darf mehrmals am Abschlag stehen und die Schilder „quiet please“ und „no cameras“ hochhalten, das Publikum beim Crossing in Schranken halten, am Fairway den Ballspotter unterstützen und auch eine Stunde am Grün stehen.

Danke Dany für den 1. Teil – Dany als Volunteer beim European Tour Event (Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5)

Euer Stephan