„Der Mann neben dem Mann“ – aus dem Leben eines Caddies während einer Runde

In der letzten Woche hat Stephan Türkis ja bereits etwas von seinem Traum berichtet. Heute geht es mal um die Aufgaben eines Caddies, die natürlich über das Tragen der Tasche hinaus gehen und bei jedem Profi anders aussehen. Also Stephan, dann leg mal los. Aus frischer Erinnerung versuche ich mal einen Tag an der Seite von meinem Pro während des letztens Turniers dazustellen.

Die Vorbereitung, vor der Runde

90 Minuten vor der Startzeit bin ich auf der Anlage und besorge die Pin Position für die Runde, diese eintragen ins Birdiebook und dann die Tasche überprüfen, alle Schläger dabei, NIE mehr als vierzehn, sind sie in Ordnung, ggf. Regenbekleidung, Tees, Bälle, Handtuch zu ein Drittel nass, den Bereich auf der Range vorbereiten, ausreichend Bälle vor Ort, Entfernungen auf der Range ermitteln. Getränke und Verpflegung ausreichend dabei haben, hier ist es wichtig zu wissen, was gerne getrunken wird oder auch gegessen. Beim Putten auf dem Übungsgrün holt man die eingelochten Bälle aus dem Loch, rollt die Bälle zurück, je nach Pro schaut man sich die Puttlinie gemeinsam an, berät sich darüber. Es ist schon wirklich sehr viel zu tun, ganz schlimm und wirklich anstrengend wird es wenn es regnet, alles möglichst trocken zu halten, besonders die Griffe, den Schirm auf dem Grün zu halten bis der eigene Mann puttet ist da wirklich Erholung.

Quelle: dieEventfotografen.de

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Die Uhr im Auge zu haben um rechtzeitig am Abschlag zu sein gehört auch zu diesen Kleinigkeiten die man nicht vergessen sollte. Am Abschlag treffen sich dann die Spieler mit ihren Caddy’s, es gehört dazu, dass man die Helfer die den Flight begleiten begrüßt und sich vorstellt, ohne diese Menschen die freiwillig helfen könnte man ein großes Turnier gar nicht auf die Beine stellen. Die Spieler erhalten vom Starter ihre Scorekarte und dann geht der Blick ins Birdiebook, alle Infos aus den Einführungsrunden und den gespielten Runden sind dort eingetragen, der gewählte Schläger, Windrichtung und die geplante Landezone wo man den Ball sicher hin spielen kann.

Quelle: dieEventfotografen.de

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Dann beginnen vier bis fünf Stunden harte Arbeit für den Caddie

Beobachten des Schlages, Landezone des Balls merken, Reinigen des Schlägers, Tasche aufnehmen und nach vorne zum Ball gehen, zum Teil sogar schon mal laufen. Am Ball angekommen gilt es dann die Entfernungen zu ermitteln, bei der Senior Tour in Europa sind Entfernungsmesser erlaubt, was die Arbeit ein wenig erleichtert, Wind, Lage des Balls, den Anspielpunkt auf dem Grün finden um sich jede Möglichkeit auf einen Birdie zu erarbeiten. Den Schläger wählt der Spieler in der Regel im selber, kurze Möglichkeiten zu besprechen was vielleicht die Beste Möglichkeit ist, liegt immer am Duo was zusammenarbeitet. Der eine Pro möchte Tipps, der andere spricht gar nicht, oder nur wenig und so gilt es sich auf den jeweiligen Mann immer einzustellen, oder auch einzusehen, dass eine Zusammenarbeit auf Dauer nicht funktioniert.
Ist der Ball dann auf dem Weg ins Grün, fast der gleiche Ablauf, Schläger annehmen, Putter reichen, Schläger reinigen und zusehen das das Divot zurücklegen und dem Pro hinterhereilen. Auf dem Grün den Ball reinigen und schauen das er keine Beschädigungen hat und sauber zurückgeben. Sollte der Pro seine Puttlinie selber suchen, nutzt man die Zeit um die Lagen des Balles auf der Bahn ins Birdiebook einzutragen.

Quelle: dieEventfotografen.de

Quelle: dieEventfotografen.de

Das herausnehmen und bedienen der Flagge gehört auch dazu, hier arbeiten die Caddy’s sehr gut zusammen und ergänzen sich. Dann geht es wieder an die Tasche und zum Abschlag der nächsten Bahn. Die Tasche, das große Geheimnis von jedem Spieler. Es ist immer sehr unterschiedlich was jeder in seiner Tasche dabei hat, aber eines ist sicher, sie sind alle schwer und wiegen zwischen 18 – 25 Kilo, sind unhandlich aber schaffen es immer wieder davon zu überzeugen, das es einfach etwas ganz tolles ist als Caddy auf dem Platz dabei zu sein. Birdiebook AnkuendigungFast alle Caddy’s sind auch mehr oder weniger gute Golfer um wirklich auch den Einblick zu haben was dort auf dem Platz passiert und verfügen fast alle über ein einstelliges Handicap.

Danke Stephan für Deinen Einblick in das Caddy-Leben und zum Abschluss gibt es in dem nächsten Beitrag noch ein paar Infos und Blicke in das Birdiebook eines Profis. Ach ja, wer einen Caddy benötigt, der kann sich gerne an Stephan Türkis wenden. Schickt ihm einfach eine Mail.

Euer Stephan

BMW PGA Championship 2012 – 4. Tag

Heute war der letzte Tag der BMW PGA Championship 2012, von denen ich ja schon in den letzten Tagen berichtet habe. Erster Tag, zweiter Tag und dritter Tag.

Ich hatte ja in den Blogbeiträgen den Schwerpunkt auf die deutschen Spieler gelegt, aber zu denen komme ich gleich. Luke Donald demonstrierte einmal mehr, dass er den Platz an der Spitze der Weltrangliste mehr als verdient hat. Mit seinem souveränen Sieg in Wentworth kann er nicht nur den Titel bei der European Tour verteidigen nahm 750.000 Euro mit nach Hause, er verdrängt auch Rory McIlroy vom Golfthron.

Marcel Siem kam durch eine 69er Runde auf den hervorragenden 7. Platz und konnte sein Konto mit 116.100 Euro „auffüllen“. Insgesamt benötigte er für die vier Runden über je 18 Löcher 283 Schläge und damit 10 Schläge mehr als der Sieger Luke Donald (68, 68, 69 und 68). Martin Kaymer, der ja auch den Cut überstanden hatte schloß das Turnier mit einer 69er Runde ab und sicherte sich den Platz 15 und 63.450 Euro Preisgeld. Er lag unterm Strich 2 Schläge hinter Marcel Siem. Der dritte deute, Alex Cejka spielte am heutigen Tag eine tolle 71er Runde und kann sich neben dem Platz 49 über 19.800 Euro Preisgeld freuen. Aber jetzt noch mal die Spiele am letzten Tag im einzelnen. Marcel Siem spielte an der 2 einem Par 3 über 141 Meter (154 Yards) ein Hole in one! Die Bridies und Bogey´s hielten sich die „Waage“, so konnte er sich nach der 71er, 67 und 76 Runde über eine 69er Runde freuen und blieb an dem heutigen Sonntag 3 unter Par! Martin Kaymer spielte am Schlußtag nur eine Double Bogey und einen bogey. Durch die 6 Birdies blieb auch er 3 unter Par. Beide, Marcel und Martin hatten am Samstag Ihre „Durchhänger“, die sie aber am Sonntag wieder weg machten. Super Jungs! Alex Cejka spielte heute auf den ersten neun Löchern immer Par und startete dann auf der 10 mit einem Birdie. Dann kamen noch ein Bogey und ein Birdie hinzu und dadurch blieb auch er unter dem Platzstandard mit -1 (71 Schläge). Auch bei Ihm war der Samstag der „Durchhänger“, aber ich bewundere die Profi´s, dass Sie es an vier Tagen schaffen überhaupt so kontinuierlich zu spielen. Hut ab Jungs und beim nächsten Turnier wünsche ich Euch ein „schönes Spiel“!

Kurzer Rückblick: Mit 66 Schlägen hatten am ersten Tag Peter Lawrie und David Drysdale den besten Tag. Am zweiten Tag, an dem Marcel Siem eine 67 spielte, spielte James Morrison die beste Runde mit einer 64. Luke Donald war „Tagessieger am Samstag mit nur 69 Schlägen und am Sonntag spielte der spätere zweite Paul Lawrie eine 66er Runde. Er zog am Sonntag mit Justin Rose gleich, der ebenfalls geteilter 2. wurde. Also rein rechnerisch wäre das Gesamtergebnis (66+64+69+66) 265  Schläge (Platzstandard für 4 Runden = 288 Schläge) gewesen und Luke Donald benötigte insgesamt 273 Schläge für die 4 Runden. Er hatte über die 4 Tage das gleichmäßigste Spiel im „Bag“. Er spielte keinen Double Bogey, spielte 20 Birdies und nur 7 Bogey´s.

Hier noch mal die Schläge der Deutschen Spieler:

  • Marcel Siem: 1x Eagle – 16x Birdie – 9x Bogey – 2x Double Bogey
  • Martin Kaymer: 14x Birdie – 9x Bogey – 1x Double Bogey
  • Alex Cejka: 13x Birdie – 11x Bogey – 3x Double Bogey

Euer Stephan