Gastbeitrag von Dany: Golf und das Leiden!

Golf ist der leidenschaftlichste Sport der Welt. Zumindest für uns Golfverrückte.

Es wird viel gelitten!

  • Im Winter aufgrund der Wetterbedingungen, die uns das Leid des Nicht-Spielens bescheren.
  • Im Frühling wegen der Rückschläge in der Leistung, weil uns der Winter viel zu lange nicht spielen ließ.
  • Im Sommer, weil wir aufgrund der Tatsache, dass endlich unsere Saison ist, alles andere vernachlässigen, wie Haushalt, Familie, Freunde und Arbeitszeit (da häuft sich ein stattliches Arbeitsstundenminus an, das irgendwann wieder eingearbeitet werden muss).
  • Im Herbst, weil wir Stress haben, noch möglichst viel Zeit am Platz zu verbringen – was wiederum das Vernachlässigen der anderen Dinge fördert (siehe Sommer) – weil ja schon bald die Tage wieder zu kurz werden und die Temperaturen zu tief fallen, um unseren Sport in vollem Ausmaß richtig ausüben zu können.
  • Dazu kommen noch die Leiden der unterschiedlichsten Verletzungen – Golferellbogen, Golferhandgelenk, Golferschulter, Golferrücken etc. – die unsere Leidenschaft so mit sich bringen kann. Vor allem, wenn wir vor lauter Leidenschaft vergessen, unseren Körper auf unseren Sport vorzubereiten. Muskelaufbau, Rückentraining, richtiges Aufwärmen, Ausgleichssport und natürlich das Hinarbeiten auf einen korrekten Schwungablauf.

Zu letzteren möchte ich mit diesem Beitrag eine persönliche Leidensgeschichte erzählen. Alles begann schon Jahre vor meiner Golfleidenschaft. Wer nicht von Kind an eine Sportskanone war, oder auch das extreme Gegenteil – auch zu viel Sport kann dem Körper schaden, wie wir alle wissen – wer einen sitzenden Beruf hat und nicht auf richtige Körperhaltung achtet, den wird früher oder später irgendein Wehwehchen ereilen, mit dem er von Zeit zu Zeit zu kämpfen hat. So auch mich, ich habe, warum auch immer, eine (nicht ausdiagnostizierte) Instabilität der Facettengelenke (Anm.: kleine Gelenke, die die Rippen mit der Wirbelsäule verbinden). Zumindest sagt das der Physiotherapeut. Das ist nun nicht allzu tragisch, wenn man rechtzeitig seine Rückenmuskulatur stärkt, sich GUT aufwärmt und ausreichend dehnt. Aber wie wohl die meisten Menschen hab ich gedacht, ich mach eh genug Bewegung und Golf ist ja nun nicht so der Leistungssport. Schließlich komm ich dabei kaum außer Atem. Falsch gedacht. Man glaubt es kaum, aber bei einem Golfschwung wirken enorme (v.a. Rotations-) Kräfte auf den Körper, im Treffmoment – besonders, wenn man den Ball nicht sauber trifft, zu fett, oder auch getoppt – kommt es zu einer Erschütterung des gesamten Körpers, allen voran des Rumpfes und der Arme, was man bei Slow-Motion-Aufnahmen gut sehen kann.

Aber jetzt zurück zu mir, in meinem vorigen Beruf war ich Tierärztin und hatte des Öfteren beim Operieren, also in vorgebeugter Körperhaltung, immer wieder ein lokalisiertes Kribbeln im Bereich der Brustwirbelsäule. Bei allen anderen Tätigkeiten gab es keine Probleme. Bis ich dann vor 1,5 Jahren mit dem Golfsport begann. Es war ein herrlicher Sommer, der Rasen war sattgrün, die Sonne brannte vom Himmel, die Kollegen schwitzten im Büro (ich hatte inzwischen den Job gewechselt) und ich fühlte mich großartig, als ich meine Platzreife absolvierte. Es war wie Urlaub. Nein, viel besser. Ein paar Wochen später wollte ich meine Turniererlaubnisprüfung machen.

Ich übte auf Teufel komm raus, verbrachte stundenlang auf der Driving Range, in der Chipping-/Pitching Area und am Putting Green. Ich schlug hunderte Bälle mehrmals die Woche, um mich auf diese Prüfung vorzubereiten. Immer die gleiche Bewegung, stundenlang, schlug mehrere Bälle hintereinander, ohne meinen Körper dazwischen aufzulockern. Und merkte, wie sich mein Rücken immer mehr verspannte. Eine Woche vor der Prüfung war es dann so weit. Genau in dem Bereich, wo ich früher das Kribbeln hatte, gab es mir einen Stich bei jedem Ballkontakt und sogar tiefes Ein- und Ausatmen war schmerzhaft. Aber egal, ich ließ mich nicht abhalten von ein bisschen Zwicken im Rücken. Das Glücksgefühl beim Golfen machte die Schmerzen erträglich und ich brauchte diese Prüfung, denn ich wollte doch unbedingt eine Freundin in Oberösterreich besuchen und mit ihr auf einem der schönsten Plätze Österreichs spielen. Doch um auf anderen als dem Heimatplatz spielen zu dürfen, bedarf es in Österreich eben bei den meisten Clubs dieser Turniererlaubnis. Ich suchte verzweifelt einen Physiotherapeuten auf, der selbst Golf spielt, doch der konnte mir auch nicht von einem Tag auf den anderen helfen. Er massierte mich, stellte fest, dass da was „ausgerenkt“ war, korrigierte das mit sanftem Druck wieder und trug mir Übungen auf, um meine Muskulatur zu stärken.

Doch das geht eben leider nicht von heute auf morgen. Also kam der Tag der Prüfung und ich hatte immer noch Schmerzen. Seltsamerweise spielte ich an diesem Tag besser als in den Wochen davor, wo ich noch keine Schmerzen hatte. Um es nicht noch schlimmer zu machen und mir das Wochenende in Oberösterreich zu vermasseln, verordnete ich mir Golfverbot, bis die Schmerzen weg waren. Ich ließ mir vom Orthopäden, der eine Muskelzerrung vermutete, Spritzen verabreichen, doch auch diese halfen nichts. Dann kam der Tag, an dem ich meine Clubmitgliedschaft beantragte und ich dürfte ab sofort spielen, so oft und so lange ich Lust hätte. Ich saß in meinem Auto am Parkplatz meines Heimatclubs, starrte auf das Übungsgrün und mir liefen dicke Wut- und Verzweiflungstränen über die Wangen. Das Wetter war perfekt, ich hatte meine Mitgliedschaft, meine Ausrüstung lag im Kofferraum, aber mein Rücken zeigte mir die lange Zunge. Die Leiden des nicht spielen Dürfens sind schlimmer als die Leiden des Spielens mit Rückenschmerzen. Die Vernunft siegte aber schließlich und ich fuhr wieder nach Hause. Ich bekam von meinem Arzt physikalische Therapieeinheiten verschrieben, aber ich glaube, letztendlich hat nur die Zeit geholfen, dass meine Schmerzen langsam besser wurden und schließlich nach über 5 Wochen ganz abgeklungen waren. Ich schwor mir, nie wieder solche Schmerzen erleiden zu wollen und immer, immer, immer gut aufzuwärmen vor jeder Runde oder Einheit auf der Driving Range und fleißig Rückentraining zu machen, damit mir das ja nur nie wieder passiert.


Das Vergnügen, auf diesem tollen Platz in Oberösterreich (GC Sterngartl) zu spielen, wurde allerdings durch einen anderen Körperteil verunglimpft – ich brach mir eine Zehe zwei Tage davor! Da dieser Platz sehr hügelig ist, wäre es unmöglich gewesen, 18 Loch zu Fuß zu bewältigen. Und so beschlossen wir, ein E-Cart zu mieten. Doch irgendjemand oder irgendwas wollte einfach nicht, dass ich auf diesem Platz spielte. Es hatte die Tage davor so viel geregnet, dass der Club ein Cart-Verbot aussprach. Doch auch eine gebrochene Zehe konnte mich nicht aufhalten, ich fuhr nach Oberösterreich zu meiner Freundin und humpelte über einen Platz in der Ebene, ohne Hügel. Die Leiden des Nicht-Golfens kamen nicht in Frage, lieber litt ich Schmerzen beim Golfen.

DRchip

Quelle & Copyright: Dany Ristl

Nach einem knappen Jahr hatte ich mal für ein paar Tage einen kurzen Anflug von Rückenschmerzen derselben Art, aber viel weniger intensiv und sie waren auch nach 3 Tagen wieder weg (mein ehrgeiziger Vorsatz des fleißigen Rückentrainings war natürlich schon wieder ein wenig abgeflaut). Und dann kam der nächste Winter. Ich definierte mir ein bestimmtes Ziel für die kommende Golfsaison und nahm mir vor, hart daran zu arbeiten. Ich hatte die Rechnung ohne die Grippewelle gemacht. Eineinhalb Wochen Krankenstand unterbrachen mein Training und danach siegte der innere Schweinehund. Ich brauchte fast ein Monat um mich seit einer Woche wieder für mein Fitnesstraining zu motivieren. Einzig das Golftraining zog ich durch. Und plötzlich sind sie wieder da, diese Rückenschmerzen. Das Ziel rückt immer näher, aber meine golferische Leistung ist noch nicht so weit, dass ich auf mehrere Wochen Schwungtraining verzichten kann. Ein bisschen chippen im Garten und putten am Wohnzimmerteppich müssen aber einfach sein. Dieses Mal hab ich mir noch fester geschworen, dass ich mein Rückentraining nie, nie, nie wieder vernachlässigen werde, um nie, nie, nie wieder diese Schmerzen zu haben, und noch viel wichtiger, um nie, nie, nie wieder rücken-bedingt den Leiden des Nicht-Golfens ausgesetzt sein zu müssen.

Eure Dany aus Wien

Anmerkung Stephan: Ich habe Ihren Beitrag so übernommen und nur noch das eine oder andere Bild hinzugefügt. Urheber des Beitrags ist Dany Ristl
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6 Kommentare zu “Gastbeitrag von Dany: Golf und das Leiden!

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